Im Wintersemester 2011/2012
gab ich zwei Blockseminar zur Kulturgeschichte der Vulva.
und zwar an der Ruhr-Universität-Bochum im Bereich der Genderstudies
und
an der Leuphana Universität Lüneburg
Die Studierenden waren großartig. Die Arbeiten, die sie erstellt haben, umwerfend. Und ich möchte dringend mehr an Universitäten machen.
Die große Unbenannte
Die Vulva in Kultur, Geschichte und Medien
Warum eine Kulturgeschichte des weiblichen Genitals? Könnte man dann nicht genauso gut eine Kulturgeschichte des Arms oder des Knies anbieten? Nun mag zwar jeder sein eigenes Konzept von Armen und Knien haben, allerdings würde kaum jemand leugnen, dass es diese Körperteile gibt.
In unserer Kultur wachsen Kinder jedoch in dem Glauben auf, dass Jungen ein „hervorragendes Symbol“ (Freud), also einen Penis, haben, während das Genitale von Mädchen „nur eine Abwesenheit liefert“ (Lacan). Tatsächlich war das weibliche Genital lange der Marker für die Geschlechterdifferenz: das Fehlen eines Phallus, die Negativfolie zu dem einen und einzigen Geschlecht, die Frau als Kastrierte.
Wo es eine Geschichte von Verdrängung gibt, gibt es immer eine Geschichte von Widerstand. Ziel meines Seminars ist es, diese Widerstandsformen in ihrem historischen Kontext kennen zu lernen, sie selbst anzuwenden und eigene zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt auf den Strategien der zweiten Hälfte des 20sten Jahrhunderts und der 10er Jahre des 21sten: auf Body Art, Punk, DIY, Riot Grrrl, Ladyfesten, Post-Porn, Dragking, Burlesque etc.
Das Aktions-Seminar setzt zwar keine besonderen Vorkenntnisse hinsichtlich der behandelten Themenbereiche oder des historischen Kontextes voraus und lässt der Gestaltungsfreiheit der Studierenden große Freiheit, Voraussetzung ist allerdings die Bereitschaft, aktiv an der Umsetzung mitzuwirken und die Ergebnisse am Ende als Ausstellung, Performance, Installation etc. zu präsentieren.
(römischer Anhänger, ca 1. bis 3. Jahrhundert)

