und noch mehr zu Groschenromanen
DRadio Wissen fragte mich:
Groschenromane - gibt's die überhaupt noch?
Der Höhepunkt erlebte das Format von 1905 bis zum ersten Weltkrieg. In den 70er Jahren gab es erneut eine Erfolgswelle, insgesamt sei aber der Markt der Romanhefte sehr stabil. Die Leserschaft sei nicht vor Jahrzehnten ausgestorben, wie einst von Experten befürchtet. Umfragen zeigten, dass die Leser nicht nur Damen über 60 Jahren aus unteren Bildungsschichten seien - die Groschenromane würden in allen Altersgruppen gelesen. Das Einstiegsalter der Leser sei in den letzten Jahren sogar auf Mitte 20 gesunken.
Vom Groschen zum Euro
Der Begriff Groschenroman kommt davon, dass die Hefte früher ein bis zwei Groschen kosteten. Auch heute liegt der Preis bei etwa 1,50 Euro. Selbst wenn der Philosoph Theodor W. Adorno das Format als Kulturform des Kapitalismus beschimpfte, sind Romanhefte alles andere als eine Neuerscheinung - die gab es schon im 18. Jahrhundert unter dem Begriff Volksbuch.
- Deutsche Groschenromane des frühen 20. Jahrhunderts. (wikipedia.org | Andreas Praefcke gemeinfrei)
Festes Format
Heute hat das Groschen-Format feste Vorgaben: Die Hefte erscheinen wöchentlich oder alle zwei Wochen - danach sind sie in den Buchhandlungen nicht mehr zu kaufen. Durch die zwei Spalten auf jeder Seite soll ein anderes Lesegefühlt vermittelt werden, unter anderem soll das Format die Lesegeschwindigkeit erhöhen. Außerdem muss das Titelblatt bunt sein, illustriert durch eine spannende Szene aus dem Buch.
Immer Happy End
Die Autoren sind anonym - manchmal werden die Hefte, wie zum Beispiel Perry Rhodan, auch von Autorenkollektiven geschrieben. Die Autoren erhalten durchschnittlich 700 bis 1000 Euro pro Heft. Laut Mithu Sanyal zeichne sich das Format dadurch aus, dass es keinesfalls Ironie beinhaltet. "Es wird nicht mit Lesererwartungen gespielt. Es gibt auf jeden Fall ein versprochenes Happy End".
Mittlerweile gibt es die Romanhefte auch als E-Book. Ein Studiengang an der Uni Heidelberg widmet sich sogar ernsthaft dem Schreibenlernen von Romanheften.
